Vorbeivorbeivorbei



vorbeivorbeivorbei
1.Preis Kunst am Bau
Stahlrohr d=20mm gebogen, Länge=100m
Straßenunterführung Saag
2015
 
Zwischen See und Berg drängen sich in Saag die unterschiedlichen Verkehrsströme eng aneinander. Streng parallel organisiert laufen sie nebeneinander her und sind an verschiedenen Punkten doch miteinander verflochten, durchdringen und überlagern sich. Als Nutzer der einzelnen Verkehrsmittel bewegt sich der Mensch demnach mit immer wechselnden Geschwindigkeiten in vorgezeichneter Richtung durch diesen Landstrich, durch das Tempo verzerrt sich sein Bild der Umgebung, es dehnt sich auf oder zieht sich zusammen.
 
Diese bedingte Flüchtigkeit der Landschaftsbetrachtung, das Vorbeiziehen des Gewohnten, das Aufblitzen von markanten Details manifestiert sich in einer Schriftskulptur, die entlang dieser synchronen Linien mitten im Durchzugsverkehr lesbar wird. Das schlichte Wort vorbei wird dabei verdreifacht und jeweils so weit gedehnt, dass sich in seiner Länge und der sich entsprechend steigernden Unleserlichkeit die unterschiedlichen Geschwindigkeiten abzeichnen, mit denen der Einzelne an diesem Punkt unterwegs ist:
 
Fußgänger: 6 km/h
Rad: 18 km/h
Auto/Zug: 70km/h
 
vorbei impliziert dabei als Begriff nicht nur das scheinbar räumliche Vorbeiziehen der Landschaft am sich im Verkehrsstrom bewegenden Subjekt, sondern defeniert auch eine zeitliche Linie zwischen Gegenwärtigem und Vergangenem: Wo der Schriftzug den Bestand überschreibt, zeichnet sich im Durchblick hinter der Buchstabenlinie nicht nur die Industrieruine der ehemaligen Miniumfabrik ab, sondern auch die seither wechselnden Nutzungsformen des Areals von Freizeit bis Kultur. So wirkt „vorbeivorbeivorbei“ in der bekräftigenden Verdreifachung einerseits wie das sportliche Anfeuern im Wettlauf des ständigen Unterwegsseins und provoziert andererseits ein gedankliches Innehalten mitten im hochverdichteten Verkehrsstrom.
 
construction: Martin Huth














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