Playground existiert nicht mehr – dafür gibt es zweintopf. Mit raschen Schritten durchmessen Eva und Gerhard Pichler seit kurzer Zeit die Kunstszene und erfüllen dabei jenes Klischee, für das Kritiker und Publikum den Begriff produktiv verwenden. Innehaltend stellen sie für sich die immer wieder aktuelle Frage „Welche Kunst macht den Künstler zum Künstler und ein Haus zum Künstlerhaus?“. Daraus ziehen sie als eine der Schlussfolgerungen: Auch ein symbolischer Durchbruch (vielleicht in Anlehnung an Gordon Matta-Clarks reale Cuttings?) in den White Cube bringe und nütze nichts. Der Weg führt also aus dem „Gefängnis“ heraus und schnurstracks zur Eroberung des öffentlichen Raums durch die Kunst.
In der Landschaft, in Orten und in neuen, der Wirtschaft gewidmeten Arealen treibt sich zweintopf, nicht immer offiziell, herum. Sie fügen da und dort ein Zeichen zu den zahlreich existierenden hinzu, sie tauschen die in erster Linie dem Fremdenverkehr zugedachten Schilder an wichtigen historischen Gebäuden aus. Das geschieht beispielhaft dann, wenn die Klischees zu offensichtlich sind, wenn die Gegenwart noch immer die Texte der Vergangenheit reproduziert, wenn der öffentliche Raum in seiner Selbstgefälligkeit erstarrt.
In diesen Handlungsfeldern zeichnet sich über künstlerische Kommentare ein Umgang mit dem Alltäglichen ab, der mit den Mitteln der Verfremdung, der Übersteigerung, der Multiplikation die Oberfläche als solche entlarvt. Da kann dann auch, direkt oder über Umwege, der öffentliche Raum in den Ausstellungsraum eingespiegelt werden. Dies gilt unter anderen Projekten für das aktuellste, die Menagerie. Auf Reisen gemachte Erfahrungen mit den regelmäßigen kreativen Anstrengungen der Brigade von Zimmermädchen, die Hand- und Badetücher nicht nur durch Austausch frisch zu halten, sondern kunstvoll gefaltet auf die Bettdecken zu legen, bilden den Ausgangspunkt.
Diese Handtuch-Origamis weisen mehrere kontrapunktische Schnittstellen auf: Die auch auswärts bestmöglich angestrebte Privatheit sieht sich einem vom Marketingkonzept unter der Rubrik aufmerksam und freundlich verordneten, mehr oder weniger geschmackvollen, Eingriff gegenüber. Es ist die eine Sache, sich in fremden Räumen dem Diktat der Einrichtung unterwerfen zu müssen, die andere ist es, mit standardisierten „Überraschungen der kreativen Art“ beglückt zu werden. Anstelle eines Bonbons auf dem Polster hocken kunstvoll gefaltete Tiere auf dem Bett.
Diese sind der Stoff, aus dem die neuen Kunst(t)räume von zweintopf entstehen. Über das Einüben der Technik der Handtuchfaltungen wird nun nicht die Ausgangssituation eins zu eins nachgebildet, sondern das Übermaß angestrebt und schlussendlich auch erreicht: eine Menagerie, zusammengesetzt aus seltenen, gefährlichen, anschmiegsamen, lieblichen oder skurrilen Tierimitationen. Sie sind vom weichen Bett auf dem harten Boden der Kunst und der Galerie gelandet. In einer Erweiterung und zugleich Zuspitzung der Situation, die sich vom Auslösefaktor mehr und mehr und schließlich vollständig entkoppelt – was in einer richtigen Einschätzung des künstlerischen Qualitätsmerkmals erfolgt – sind einerseits die Raumkonstellation, andererseits die Fotoinstallationen von Bedeutung. Durch das Begehen der mäandernden Nachbildung eines ländlichen Geheges kann ein weiterer Einblick in die Menagerie gewonnen sowie die aus Einzelbildern in Bewegung versetzte Jagdszene beobachtet werden. Der Schritt an den ultimativen Rand der Inszenierung hat jenes Maß an Ironie im künstlerischen Gepäck, das nun den Ausgangspunkt zwar nicht verdeckt, aber dennoch weit hinter sich lässt. Mit dem Konzept und der Realisierung, wo sich beide in einer sicher gehandhabten Balance zwischen Erfahrung und Visualisierungstransfer bewegen, eröffnet die Menagerie ob ihrer klaren Strukturen und des Einbeziehens der Beobachtung eines nur scheinbar beiläufigen ästhetischen Sachverhalts eine bemerkenswerte und nicht unnotwendige Perspektivem künstlerischern Strategien.
Werner Fenz






