Toi Toi Toi*
The puplic space is in trouble. It’s a long time ago that places were enlargements of flats. Now they are overwhelmed by commercial and private interests. No place without an event.
zweintopf tries to visualize this situation in a contemporary monument. The initial event for zweintopf was the EM08 where we wanted to install such a monument at Karmeliterplatz in Graz. The components of this critical installation are three mobile toilets one upon the other situated on a historic looking base in front of the original Pestilential Column.
A monument as a homage to the event (in a cynical way) adjusting the former trinity from body, mind and soul into the contemporary form of football, beer and toilets.
Because every fight has a right for a monument.
Lange ist es her, dass öffentliche Plätze noch eine Erweiterung der Wohnungen darstellten, Ersatzwohnzimmer für Mittellose, also für fast alle. Waschweiber, Kaffehausliteraten, Bettler, Marktschreier, Handwerker bildeten die Kulisse für eine öffentlich wahrnehmbar belebte Stadt. Als der Wohlstand, die Größe der Wohnungen und der Individualismus (oder Egoismus) wuchsen, erfuhr im gleichen Maße das öffentliche Leben einen Rückgang. Nachbarn und Mitmenschen wurden gegen den Fernseher eingetauscht.
Und den Platz betrat ein neues Doppel: Event und Werbung locken heute die Bewohner aus den gemütlichen vier Wänden. Beschäftigungstherapie für die neuen Bürger der Stadt - die Konsumenten. Frei nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ heißt es mitschreien, mitmachen, mitfeiern. Die einst öffentlichen Plätze wurden in ein Kasperltheater des Konsumierens verwandelt, ein Disneyland mitten in der Stadt.
Der Karmeliterplatz nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Erst vor einigen Jahren frisch renoviert, scheint er sich besonders für diese Art der Unterhaltung zu eignen. Ein Großereignis erdrückt das Vorige. Von Snowboard bis Beachvolleyball, von der Hüttengaudi bis zur Fußballübertragung.
Und nun die EM. Der nationalistische Idiotentanz. Während die Politik die freundschaftliche und friedliche Komponente der Spiele unterstreicht, toben in den Straßen die Schlachten der Fans.
Jede Schlacht bekommt ihre Denkmäler und zweintopf fühlt sich verantwortlich dem Event im Allgemeinen und dem Fußball im Besonderen eines zu schenken. Und welcher Ort käme da nicht besser in Frage, als die neue Mutter der Eventplätze in Graz: der Karmeliterplatz.
Ein Denkmal als Huldigung an den Event übersetzt die Trinität von Körper, Geist, Seele in eine zeitlich adäquatere Form von Fußball, Bier, und Klo.
Auf einer Holzkonstruktion als Sockel werden drei Dixi-Klos der Fa. Toi Toi) übereinander gestapelt und mittels Holzfries (siehe Konstruktionszeichnung) miteinander verbunden. Die Höhe des Denkmals beträgt ca. 7 m – es wird gegenüber der Mariensäule aufgestellt (siehe Schaubild).
ein Konzept von zweintopf aus der Reihe „zweintopf hilft denken“ |01|01|, 2008.
- toi toi toi verwendet man heute zumeist als Glückwunsch im Sinne von „Es möge gelingen“, der Ausspruch wird auch gelegentlich mit Teufel Teufel Teufel in Verbindung gebracht. Ursprünglich sollte es aber als Abwehrzauber gegen den Neid böser Geister funktionieren. Wer nämlich laut über sein Glück und seine Zufriedenheit sprach, hat laut Aberglauben die Aufmerksamkeit von Dämonen auf sich gezogen, die einen solchen Zustand nicht gutheißen. Der Ausspruch selbst gilt als lautmalerischer Ersatz von dreimaligem Ausspucken, das ab dem 18 Jahrhundert schließlich als unanständig empfunden wurde. Toi toi toi als ein Denkmal für die Eventkultur, als Sinnbild geistiger Versumpfung und menschlicher Ausbeutung zwischen hochpreisigen Bierbuden.







