Toi Toi Toi* (noneventeventmonument II)
Lange ist es her, dass öffentliche Plätze noch eine Erweiterung der Wohnungen darstellten, Ersatzwohnzimmer für Mittellose, also für fast alle. Waschweiber, Kaffeehausliteraten, Bettler, Marktschreier, Handwerker bildeten die Kulisse für eine öffentlich wahrnehmbar belebte Stadt. Als der Wohlstand, die Größe der Wohnungen und der Individualismus (oder Egoismus) wuchsen, erfuhr im gleichen Maße das öffentliche Leben einen Rückgang. Nachbarn und Mitmenschen wurden gegen den Fernseher eingetauscht.
Und den Platz betrat ein neues Doppel: Event und Werbung locken heute die Bewohner aus den gemütlichen vier Wänden. Beschäftigungstherapie für die neuen Bürger der Stadt - die Konsumenten. Frei nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ heißt es mitschreien, mitmachen, mitfeiern. Die einst öffentlichen Plätze wurden in ein Kasperltheater des Konsumierens verwandelt - Disneyland mitten in der Stadt.
toi toi toi verwendet man heute zumeist als Glückwunsch im Sinne von „Es möge gelingen“, der Ausspruch wird auch gelegentlich mit Teufel Teufel Teufel in Verbindung gebracht. Ursprünglich sollte es aber als Abwehrzauber gegen den Neid böser Geister funktionieren. Wer nämlich laut über sein Glück und seine Zufriedenheit sprach, hat laut Aberglauben die Aufmerksamkeit von Dämonen auf sich gezogen, die einen solchen Zustand nicht gutheißen. Der Ausspruch selbst gilt als lautmalerischer Ersatz von dreimaligem Ausspucken, das ab dem 18 Jahrhundert schließlich als unanständig empfunden wurde. Toi toi toi als ein Denkmal für die Eventkultur, als Sinnbild geistiger Versumpfung und menschlicher Ausbeutung zwischen hochpreisigen Bierbuden.
