noneventeventmonument IV
oder: Die Stadt als Zeichensystem Graz Lendplatz, 2010
ca. 1km Coroplast (grau)
















Markante Architektur muss gegenwärtig Zeichen setzen oder sich sogar Logos einverleiben, um einem breiten Publikum potentiell in Erinnerung zu bleiben. Entgegen der Prophezeiung Robert Venturis hat sich die „Ente“ als große, weil symbolische Geste durchgesetzt. In Anlehnung an den Iconic Turn verfügt damit häufig ein singuläres Gebäude über das Image einer Stadt. Bilbao dient als leuchtendes Beispiel dieser Evolution. Und Graz versucht sich über den sprichwörtlichen „Friendly Alien“ ein ebensolches zu konstruieren.

zweintopf verfolgt Venturis Ansatz des dekorierten Schuppens als gegenläufiges Modell von entzweitem Kern und Bekleidung des Gebäudes und nimmt sich dafür ein banales Objekt des Stadtraumes vor. Wenn man so will ist es ein Schuppen, der seine Bestimmung bisher nicht offen kundtut. Nur Neugierige identifizieren seine vielfältigen Funktionen zwischen Stromkasten, Müllraum und geschützter Pinkelecke. zweintopf setzt zu seiner Dekoration an, operiert aber nicht mit Zeichen aus einem architektonischen Referenzsystem, wie Venturi es in seinen Entwürfen vorgibt.

„I AM A MONUMENT“ verwendet vielmehr Venturis Slogan in Reinform: Als Behauptung, die die Wahrnehmung des Gewöhnlichen untersucht, wenn über einen „geläutertem“ Blick auch ein grauer Schuppen ästhetische Formen anzunehmen vermag.

Ist dieser Satz nur ironisch affichiert oder doch objektimmanente Bestimmung des Bauwerks? Ähnlich der konstruktivistischen Anti-Aufforderung „Ignore This Sign“ stellt sich schließlich auch für den öffentlichen Raum die Frage, wer oder was die Bedeutungen generiert. Mächtige Schriftformen preisen meist nur noch Konsumadressen an. Hier werden sie zur Fassade und lassen aus ihrer Behauptung neue Gedanken-Gebäude erstehen. Venturis Empfehlung des dekorierten Schuppens als simples schützendes Gehäuse, das nur über ein Schild seine Berufung kundtut, wird hier am Bestand vorgeführt: Wenn Wirklichkeiten nicht auf Gegebenheiten, sondern auf der Kreativität persönlicher Interpretationen bestehen, denen hier und da ein wenig auf die Sprünge geholfen werden muss.

zweintopf versteht das Projekt als Persiflage auf die Zeichensucht. Über die Beschriftung erhebt sich der Schuppen auf eine Meta-Ebene, die zwischen beiden Bedeutungen hin und her pendelt: Wenn der Kubus auch formal immer ein dekorierter Schuppen bleiben muss, so färbt seine Erhebung in einen Monument- und Enten-Status doch auch auf die Form ab. Gleichzeitig muss dieser Status bei näherer Betrachtung natürlich wieder relativiert werden. Es ist der Versuch über symbolische Zeichen (Schrift) ein ikonisches Zeichen (Monument) zu produzieren, das einzig auf deren formulierter Behauptung fußt.

Quelle: Robert Venturi, Denise Scott Brown, Steven Izenour, Lernen von Las Vegas, Zur Ikonografie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt, Originalausgabe 1979.





catalogue:

Kunstforum International Band 212
"Die un|sichtbare Stadt als Aktionsraum der Widersprüche"
Text by Ursula Maria Probst, Franz Thalmaier