landscape (fencing IV)
Unortnung VI, vienna 2010
electric fence 40mm (800m), 15.000 metal cramps, cables, fence energizer

Ein kartografisches Institut mit militärischer Widmung erzeugt minutiöse Abstraktionen tatsächlicher Landschaften, die im Ernstfall als Zerstörungsgrundlage dienen.
Die Arbeit ist als materialtechnisches Experiment angelegt und verwendet ein lineares Element, das ebenfalls der Grenzziehung und -durchsetzung dient, wenn auch oft im übertragenen Sinn und in Zusammenhang mit „untergeordneten“ Lebewesen. Gängiges Elektronzaunband – klinisch weißes Kunststoffgeflecht, verwoben mit feinsten Drahtlitzen – wird zu einem künstlichen Landschaftsteppich gewirkt, der sich damit aus scheinbar vielen, genormten Schichtlinien zusammensetzt. Zu Gebirgen aufgefaltet und mittels Weidezaungerät unter pulsierenden Strom gesetzt, wird seine
gleichmäßige Taktung, sowie ein leichtes Knistern im Raum hörbar. Hier ist es scheinbar die Landschaft, die sich gegen eine mögliche Zerstörung wappnet, indem sie sich der Angreifbarkeit durch den Menschen entzieht. Eine Zieldefinition im anschaulich nachgebildeten Reliefmodell wird somit unmöglich gemacht, weil eine Berührung der Landschaft als potentiell schmerzhaft eingestuft werden muss. Ein kartographisches Phantasierelief, das über die
Landschaftsformen jenes unantastbare Wunderbild nachzeichnet, dem die menschliche Eroberung erst noch bevorsteht.



catalogue:
Kunstforum International, Band 206, "Unortnung I-VI"
unORTnung. Eine Ausstellungsreihe in Wien
editor: Veronika Barnas
Schlebrügge Editor
ISBN 978-3-902833-10-5
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